Innovation

Innovationsstop durch Vertriebsstopp von Tresiba

© Novo Nordisk

Nur wenige Monate sind vergangen, dass die Diabetologen in Deutschland im Rahmen der repräsentativen Marktforschung Pharma Trend das Insulin-Präparat Tresiba als das innovativste Produkt 2014 bewertet haben. Nun hat der Hersteller Novo Nordisk nur ein Jahr nach der Einführung einen Vertriebsstopp für das innovative Insulin-Präparat angekündigt und vom Markt genommen.

Mit Unverständnis haben Ärzte und Patienten auf den kürzlich angekündigten Vertriebsstopp für das Insulin-Präparat reagiert. Angebliche Ursache ist der fehlende Zusatznutzen gegenüber anderen Mitteln. Dem widersprechen allerdings deutlich die Erfahrungsberichte der Diabetologen. In der Befragung zum Pharma Trend 2014 bestätigten die Diabetologen eindeutig die Therapieerweiterung und die Wirkvorteile, die mit dem Insulin-Präparat Tresiba verbunden sind.

Das Insulin Tresiba habe im Vergleich zu anderen auf dem Markt befindlichen Insulinen keinen Zusatznutzen und müsse für den Einheitspreis vertrieben werden. Das hatte der gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) der Krankenkassen und Ärzteverwaltung entschieden.

Keine Einigung über einen Rabattvertrag

Die fehlende Wirtschaftlichkeit veranlasst den Hersteller das Präparat in Deutschland vom Markt zu nehmen, da auch keine Einigung über einen wie in bisherigen Fällen üblichen Rabattvertrag erzielt werden konnte. Hauptärgernis für betroffene Patienten: mehrere zehntausend behandelte Diabetiker haben eine Verbesserung ihrer Stoffwechsellage erfahren und müssen jetzt wieder umgestellt werden.

In seiner Beurteilung zu den Vorteilen einer Therapie mit Tresiba äußerte sich Dr. Matthias Kaltheuner vom Berufsverband der diabetologischen Schwerpunktpraxen in Nordrhein (BdSN) so:

Wir haben in der kurzen Zeit, seit der Einführung des Präparates, bei etlichen Patienten deutliche Besserungen der Stoffwechsellage durch den Einsatz von Tresiba erlebt.

Die Bewertung des mangelnden Zusatznutzens ginge lediglich von einer Durchschnittsbetrachtung aus und die individuellen Unterschiede würden nicht berücksichtigt, so Kaltheuner weiter.

Für jeden Patienten mit einem flachen Basalinsulinbedarf sei dieses Präparat sehr aussichtsreich anzuwenden. Das Präparat stelle eine sinnvolle Erweiterung des Behandlungsspektrums für spezielle Patienten dar. Anstelle von bis zu drei Injektionen täglich mit herkömmlichen Basalinsulinen ist bei vielen Diabetikern nur eine Injektion täglich ausreichend.

Da die Entscheidung aus Sicht des BdSN weder medizinisch noch wirtschaftlich nachvollziehbar ist, sind sowohl der Medikamenten-Hersteller Novo Nordisk als auch der für die Preisgestaltung zuständige Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen aufgerufen, sich zum Wohle der Patienten zu einigen. Eine entsprechende Petition wurde bereits aufgesetzt: Auf der Webseite www.change.org und dem Suchbegriff “Tresiba” findet sich der entsprechende Aufruf.

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