Innovation

Brintellix bleibt innovativstes Produkt

Dr. Olaf Lochschmidt, Group Product Manager Marketing Psychiatry Lundbeck
Dr. Olaf Lochschmidt, Group Product Manager Marketing Psychiatry Lundbeck © Eurecon Verlag

Einen tragischen Moment bot die Verleihung des Awards der Neurologen und Psychiater. Die Fachgruppe hatte wie im Vorjahr das Antidepressivum Brintellix® zum „Innovativsten Produkt“ gekürt, nicht ahnend, dass dieses hilfreiche Medikament vom deutschen Markt verschwinden würde – aus wirtschaftlichen Gründen. Brintellix® bleibt aber zugelassen und verkehrsfähig.

Die Kür des innovativsten Produktes der Neurologen und Psychiater ist traditionell spannend: Das Spektrum von Erkrankungen ist breit, die Forschung intensiv, der Markt hart umkämpft. Jahr für Jahr stehen den Ärzten viel versprechende Neuentwicklungen zur Verfügung. Unter den innovativen Arzneimitteln des jahres 2016 behauptete mit 10% der Stimmen der Neurologen und Psychiater der Vorjahressieger Brintellix® seinen ersten Rang. Der Hersteller, die dänische Firma Lundbeck, hat sich schon im Jahr 1960 auf neurologische und psychiatrische Erkrankungen spezialisiert, eine Fokussierung, die wiederholt Früchte trägt. Im Jahr 2004 gewann Lundbeck den Award für das innovativste Produkt mit dem Antidepressivum Cipralex® (Escitalopram).

Auch der Wirkstoff von Brintellix®, er heißt Vortioxetin, gehört zur Klasse der selektiven Serotonin-Reuptake-Inhibitioren (SSRI). Was unterscheidet das fünfte Antidepressivum von Lundbeck von anderen seiner Klasse? „Das Besondere an Brintellix ist, dass es auf den ersten Blick zwar aussieht wie ein SSRI, aber komplett anders wirkt, und Patienten, denen es jahrelang nicht gut gegangen ist, eine neue Chance bietet“, erläuterte Dr. Olaf Lochschmidt, Group Product Manager Marketing Psychiatry bei Lundbeck bei der Preisübergabe.

Brintellix® wurde schon im Dezember 2013 für die Behandlung von Depressionen bei Erwachsenen zugelassen. Erst seit Mai 2015 steht das Medikament zur Verfügung. Mittlerweile werden 45.000 Patienten in Deutschland damit behandelt. Doch mit dem 15. August 2016 nahm Lundbeck Brintellix® in Deutschland vom Markt. Grund einmal mehr: gescheiterte Preisverhandlungen zwischen Hersteller und dem GKV-Spitzenverband.

Beim IQWiG durchgefallen – bei Ärzten geschätzt

Brintellix® verlängert damit die Reihe innovativer Produkte, die künftig nach Deutschland importiert werden müssen, wenn die Patienten nicht auf ein anderes Medikament umgestellt werden sollen. Der GBA hatte im August 2015 dem Wirkstoff Vortioxetin mangels direkter Vergleichsstudien keinen Zusatznutzen zugebilligt. Die Preisverhandlungen endeten mit einem von der AMNOG-Schiedsstelle festgelegten Erstattungsbetrag auf Generikaniveau. Dass es nicht möglich war, einen für das Unternehmen auskömmlichen Preis auszuhandeln, habe letztlich zu dem Schritt der Marktrücknahme geführt, bedauerte Lochschmidt. Und dazu, dass in Zukunft 45.000 Patienten, die derzeit „mit Brintellix® gut und besser behandelt seien als in der Vergangenheit“, sich nach Alternativen umsehen müssten. Dies sei auch für ihn persönlich tragisch, nach 22 Jahren Tätigkeit auf dem Gebiet der Depression und fünf von Lundbeck eingeführten Antidepressiva. „Umso mehr freut es uns alle bei Lundbeck, dass wir diese Auszeichnung von Ärzten bekommen, die Brintellix® im täglichen Leben sehen und schätzen gelernt haben“, unterstrich der Produktmanager.

Brintellix® bleibt auch nach Marktrückzug weiter in Deutschland zugelassen und verkehrsfähig. Das zugelassene Anwendungsgebiet ist und bleibt die Behandlung von Episoden einer Major Depression bei Erwachsenen.

Dr. Olaf Lochschmidt, Group Product Manager Marketing Psychiatry Lundbeck

Dr. Olaf Lochschmidt, Group Product Manager Marketing Psychiatry Lundbeck © Eurecon Verlag

Innovative Medikamente gegen Multiple Sklerose

Die Silber- und die Bronzemedaille der Neurologen und Psychiater erhalten in diesem Jahr gleich drei innovative Arzneimittel, die über immunologische Mechanismen wirken. Den dritten Platz mit je 8% der Stimmen teilen sich die Antikörper Daclizumab, ein Immunsuppressivum von Biogen (in USA unter Zinbryta® vertrieben), und Lemtrada® von der Sanofi-Tochter Genzyme. Lemtrada® greift die Immunzellen an, die bei MS Gehirnnerven schädigen. Die Silbermedaille gewinnt ein weiterer von Roche entwickelter Immunsuppressor, das Ocrelizumab (Ocrevus®). Der monoklonale Antikörper zerstört B-Zellen, die eine Schlüsselrolle bei der Entstehung MS-typischer Entzündungen im Zentralen Nervensystem spielen. Die positiven Phase-III-Studien lassen erwarten, dass die Substanz künftig nicht nur bei schubförmiger, sondern auch bei schleichend verlaufender (progredienter) MS eine Zulassung erhält.

Weitere Informationen auf https://pharma-trend.com