Innovation

Münchener Firmen entwickeln Medikamente gegen COVID-19

Formycon Preisverleihung 2021

Im zweiten Jahr der Pandemie stehen vier Impfstoffe zur Verfügung, aber nur zwei bedingt zugelassene Medikamente. Doch innovative Therapeutika gegen COVID-19 sind in der Pipeline. Für ihre Entwicklungen wurden jetzt drei Münchner Unternehmen ausgezeichnet. Der Award „Das innovativste Produkt“ in der Kategorie Sprunginnovationen ging an die Formycon AG, die ein SARS-CoV-2 neutralisierendes Fusionsprotein hergestellt hat.

Erstmals wurden in diesem Jahr beim „Pharma Trend – Image & Innovation Award“  ein Preis für das Innovativste Produkt in der Kategorie Sprunginnovationen verliehen. Dabei überzeugte die in Martinsried bei München ansässige Formycon AG mit dem antiviralen Fusionsprotein FYB207, das Sars-CoV-2 und seine Mutationen neutralisieren kann. Den zweiten Rang eroberte die Firma Ethris, die mit ETH47 ebenfalls ein Therapeutikum entwickelt, dessen Wirkmechanismus unabhängig von Virusmutationen greift.  Ein dritter Preis ging an Pieris für die Entwicklung inhalierbarer Anticalin®-Therapeutika zur Behandlung von SARS-CoV-2 induzierter Schädigung der Lunge.
Die Ausschreibung erfolgte in Zusammenarbeit mit der BioM Biotech Cluster Development GmbH, der Netzwerkorganisation der Biotechnologiebranche in München und Bayern. Bewerben konnten sich Unternehmen, die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) oder dem Land Bayern zur Entwicklung von COVID-19 Therapien im Jahr 2021 mit Fördergeldern bedacht wurden.

„Trotz der Verfügbarkeit von Impfstoffen gegen COVID-19 ist die Entwicklung wirksamer und sicherer Medikamente von zentraler Bedeutung“

betonte bei der Bekanntgabe der Gewinner BioM – Geschäftsführer Prof. Horst Domdey.

Mit den Auszeichnungen in der Kategorie Sprunginnovationen beweise der Münchner Biotechcluster seine innovative Schlagkraft.

1. Preis für Formycon: ein innovatives SARS-CoV-2 neutralisierendes Fusionsprotein

Ein großer Hoffnungsträger in der Therapie von COVID-19 ist die Blockade des Virus durch zielgenaue Antikörper. Gentechnisch hergestellte antivirale Antikörper stehen mit 96 Studienkandidaten auf Platz 1 der Forschungsstrategien, vor proteinbasierten Impfstoffen (91) und antiinflammatorischen Substanzen (168). Eine Schwachstelle der Antikörperbehandlungen besteht in der möglichen Förderung von Escape-Mutationen des Virus, vor allem bei Monotherapie. Vor diesem Hintergrund haben Forscher der Firma Formycon in Zusammenarbeit mit dem Institut für Virologie und dem Institut für Biotechnologie der Technischen Universität München (TUM) einen anderen Weg gewählt: das Virus nicht an seinem Spike-Protein zu binden, sondern am Andocken über seinen ACE2-Rezeptor zu hindern. SARS-CoV-2 und andere Coronaviren infizieren Zellen durch Bindung des viralen Spike-Proteins an das Enzym ACE2 (Angiotensin Converting Enzym 2), das sich vor allem im oberen Atemwegstrakt des Menschen findet. Formycon synthetisierte ein innovatives, langwirksames ACE2-Fusionsprotein (FYB207), einen Entry-Inhibitor, der SARS-CoV-2 effizient neutralisiert.

Wenn unser Wirkstoff im Überschuss gegeben wird, fängt er wie ein Türsteher die Sars-CoV-2-Viren ab und kann damit die Infektion von Zellen komplett unterbinden

erklärte Dr. Stefan Glombitza von Formycon.

Im Gegensatz zu Impfstoffen und neutralisierenden Antikörpern behält FYB207 sein volles antivirales Potenzial auch bei den sich schnell ausbreitenden Variants-of-Concern. „Wenn Antikörper, die sehr spezifisch an das Spike-Protein binden, wegen einer Mutation des Spike-Proteins nicht mehr wirken, wird unser Wirkstoff das Virus weiterhin abfangen können“, betonte Glombitza. Somit ist FYB207 ein vielversprechender antiviraler Wirkstoffkandidat zur Behandlung von Infektionen mit aktuellen und zukünftigen Coronaviren, die ACE2 als Rezeptor benutzen.

2. Preis für Ethris: COVID-19 Inhalationstherapie mit Interferon Lambda (IFN-λ) mRNA

Zahlreiche SARS-CoV-2 Mutationen zeigen die Gefahr für „Flucht-Mutationen“, gegen die Impfstoffe und therapeutische Antikörper nur bedingt wirken. Ethris entwickelt in Planegg bei München mit ETH47 ein Therapeutikum, dessen Wirkmechanismus unabhängig von Virusmutationen greift. ETH47 ist ein inhalativ verabreichtes mRNA-Therapeutikum, das den genetischen Bauplan für IFN-λ enthält. Es aktiviert lokal das angeborene Immunsystem des Patienten an der Viruseintrittspforte und wirkt breit gegen Atemwegsviren. ETH47 soll helfen schwere Krankheitssymptome zu stoppen und damit Hospitalisierungen und Todesfälle zu reduzieren. 

3. Preis für Pieris: Inhalierbare Anticalin®-Therapeutika bei SARS-CoV-2 induzierter Lungenschädigung

Manche Patienten leiden nach einer akuten COVID-19 Erkrankung aufgrund einer schweren Schädigung des Lungengewebes weiter an einer starken Beeinträchtigung der Lungenfunktion. Das Projekt von Pieris aus Hallbergmoos zielt darauf ab, solche fibrotischen Schädigungen des Lungengewebes zu behandeln. Der inhalierbare Anticalin®-Wirkstoffkandidat PRS-220 bindet mit hoher Affinität an das Protein Connective Tissue Growth Factor (CTGF). Parallel wird PRS-220 auch zur Behandlung der idiopathischen Lungenfibrose klinisch entwickelt.

Formycon Preisverleihung 2021
Tamara Sedmak, Prof. Horst Domdey (Geschäftsführer BioM), Dr. Nicolas Combè (CFO) und Dr. Stefan Glombitza (COO, beide Formycon AG), mit dem Preis für Sprunginnovation bei Covid-19-Therapeutika © Falk Heller

Über die Preisverleihung

Die Bekanntgabe der facharztspezifischen Awards und des fachübergreifenden Rankings erfolgte am 14. September 2021 im Deutschen Museum in München. Die Festreden hielten der Schirmherr der Veranstaltung, der bayerische Gesundheitsminister Klaus Holetschek, Bayerisches Staatsministerium für Gesundheit und Pflege sowie Dr. Kai Joachimsen, Hauptgeschäftsführer Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie. Moderiert wurde die festliche Preisverleihung durch die TV-Moderatorin Tamara Sedmak (Sat 1, n-tv, N24).

Pharma Trend – Die Marktforschung zu Innovation und Nachhaltigkeit

Grundlage für das Ranking und die Awards ist die Benchmark-Studie Pharma Trend, die in der Kategorie Rx seit dem Jahr 2000 in Deutschland jährlich bei Ärzten und seit 2018 auch in den Kategorien OTC und Orhan Drugs sowie seit 2019 zusätzlich in der Kategorie Specialty Care im Auftrag der Zeitschrift PharmaBarometer durchgeführt wird. In 2021 wurde die Studie um die Kategorien „Diagnostik“ und „Digitale Gesundheitsanwendungen“ erweitert. Mit der Erweiterung des Pharma Trend werden Unternehmen in Pharma und Medizintechnik über deren wichtigsten Stakeholder – Ärzte, Apotheker und Patienten – zu Innovation und Nachhaltigkeit bewertet. In diesem Jahr wurde der Pharma Trend bei 700 Ärzten, darunter Allgemeinmediziner, Dermatologen, Gastroenterologien, Gynäkologen, Onkologen/Hämatologen, Pädiater und Urologen, sowie 100 Apothekern und 600 Patienten online durchgeführt.

Weitere Informationen auf https://pharma-trend.com

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