Führung

Anerkennung

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Ankennungs-Junkie?

Was würden Sie wohl denken oder fühlen, wenn Sie sich gerade einmal nicht um Anerkennung bemühen würden? Noch nie vorgekommen? Dann werden Sie wohl ein chronisches Anerkennungsdefizit haben.

Wenn Sie Pech gehabt hätten, wären Sie dann vielleicht unter die Kiffer, Alkoholiker, Kettenraucher, Fresssüchtigen oder Depressiven geraten. Dann wären Sie vermutlich weg vom Fenster und würden dies hier erst gar nicht lesen. Sie scheinen aber insofern ein gewisses, zweifelhaftes Glück gehabt zu haben, dass Ihr Anerkennungsdefizit Sie antreibt, motiviert oder zwingt, ständig um Anerkennung zu kämpfen, und dass Sie dabei sogar erfolgreich sind. Ihre Droge heißt dann trotzdem: „Anerkennung“. Mit einem solchen, „nachdrücklichem“ Anerkennungsbedürfnis sind schon manche Leute Vorstandsvorsitzender, Rockstar, Verkaufsleiter, Kanzler, Präsident oder Milliardär geworden. Glückwunsch und herzliches Beileid, wenn Sie dazu gehören. Sie haben es gewiss nicht leicht. Es ist nämlich eine große Anstrengung, sich ständig so zu drehen und teils zu verdrehen, dass man es möglichst vielen anderen nicht nur recht macht, sondern sie auch noch zu Beifallsstürmen, Auftragserteilungen oder Gehaltserhöhungen veranlasst, sondern vielleicht gar, einen zu wählen.

Mangel kann man entweder als Opfer erleiden oder als Antrieb nehmen, nach Ausgleich oder Ersatz zu streben. Erstaunlicherweise befriedigen solche Kompensationen aber allenfalls kurzfristig und nicht wirklich. Deshalb verlangt man immer wieder nach immer mehr davon. Das kann dann zu Erfolgen führen, aber eben meistens nicht zum Glück. Man spricht auch davon, dass manche Menschen wie ein Fass ohne Boden seien. Eigentlich lohnt es nicht, da etwas hinein zu schütten.

Es gibt erwachsene Menschen, bei denen ein Anerkennungsdefizit aus ihrer Schulzeit nachwirkt, etwa wenn ein Lehrer einmal einprägsam gesagt hat: „Aus Dir wird sowieso nichts!“. Bei Anderen wirkt ein Defizit aus einer Vorgeneration, wenn etwa Mutter oder Großmutter wegen einer unehelichen Schwangerschaft verstoßen oder von ihrer Familie moralisch geächtet worden waren. Manchmal sind Waschzwänge Relikte einer solchen vermeintlichen Beschmutzung. Da helfen dann auch in der zweiten oder dritten Generation oft das Waschen oder der Versuch, ein besonders erfolgreicher und anerkennenswerter Mensch zu sein, nicht als Kompensationen drüber weg.

Erstaunlich, aber auch folgerichtig ist, dass es zur Auflösung von solchen Kompensationsbedürfnissen helfen kann, den ursprünglichen Mangel zu beheben. Das kann real oder, wenn das nicht möglich ist, auch symbolisch geschehen. Ein erfolgreicher Vorstandsvorsitzender schrieb beispielsweise seinem ehemaligen Grundschullehrer, der ihm prophezeit hatte, dass aus ihm nichts werden würde, einen geharnischten Brief wegen dessen pädagogisch unverantwortlichen Verhalten. Der Lehrer entschuldigte sich und bat um Vergebung. Der Vorstand fühlte sich daraufhin von seinem Erfolgszwang erlöst und konnte seinen Job viel entspannter angehen. Ein 44-jähriger Topverkäufer litt an scheinbar unerklärlichen Depressionen. Er kannte seinen Vater nicht. Nachdem er ihm erstmals in einem glücklichen Treffen begegnet war, stellte er fest, dass er nun von seiner ewigen Traurigkeit befreit und erstmals entspannt und glücklich war. Er hatte unbewusst immer seinen Vater und dessen Anerkennung vermisst und war zum Superverkäufer geworden, der kompensatorisch von jedem Kunden und Chef Anerkennung erzwang, ohne sich daran jedoch sättigen zu können.

Auflösung von Defiziten erspart Kompensationen und wirkt entspannend. Man verliert seine erworbenen Fähigkeiten dadurch nicht, wohl aber die Zwanghaftigkeit und Besessenheit mit der man sie vielleicht einsetzt. Meistens bewirkt die Lockerung, dass man das, was man eh schon erfolgreich getan hat, dann souveräner und weitsichtiger tut. Man bleibt auch kein Junkie im Zustand der Bedürftigkeit, der ständig etwas von anderen braucht, sondern kann zu jemand werden, der aus einem Zustand der Fülle anderen etwas zu geben hat. Solchen Menschen werden die Sympathien anderer umso leichter und umso freiwilliger zufliegen. Das Leben wird leichter und schöner.

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