Innovation

Alternative zu Radiochemotherapie im klinischen Behandlungsalltag anerkannt

© Merck Serono. Cetuximab bindet spezifisch an den EGF-Rezeptor

Zu den Verbesserungen für Patienten mit Plattenepithel-karzinomen im Kopf-Hals-Bereich hat in den vergangenen Jahren die Einführung des gegen den EGFR (Epidermal Growth Factor Receptor) gerichteten monoklonalen Antikörpers Cetuximab (Erbitux®) beigetragen, so Professor Dr. med. Jürgen Dunst, Direktor der Klinik für Strahlentherapie/Radioonkologie am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Kiel. „Da Cetuximab vergleichbar effektiv ist wie Cisplatin, dabei jedoch deutlich verträglicher, ist für Patienten mit lokal fortgeschrittenen, nicht resektablen Tumoren auch eine Radiotherapie in Kombination mit dem Antikörper möglich“, erläuterte Dunst auf einem Satellitensymposium von Merck Serono anlässlich der 21. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Radioonkologie (DEGRO) in Hamburg.

Gut verträgliche, leitliniengerechte Behandlungsalternative

Eine entsprechende Empfehlung der Radioimmuntherapie in den Leitlinien1 basiert auf der Bonner-Studie: Die Phase-III-Studie untersuchte die Wirksamkeit und Verträglichkeit einer Bestrahlung mit oder ohne simultane Cetuximab-Gabe.2 Unter der zielgerichteten Therapie mit Cetuximab hatte sich das relative Risiko für eine lokale Krankheitsprogression um fast ein Drittel (32%; p=0,005) reduziert. Die Nebenwirkungsprofile beider Regime waren vergleichbar, mit Ausnahme von akneiformen Exanthemen und Infusionsreaktionen, die unter Cetuximab signifikant häufiger auftraten. „Der Ausprägungsgrad der Hauttoxizität korrelierte mit der Dauer des Gesamtüberlebens. Damit erwies sich das Auftreten der akneiformen Exantheme als prädiktiver Biomarker für den Erfolg einer Cetuximab-Behandlung“, ergänzte Dunst.3

Kutane Nebenwirkungen sind vielfältig behandelbar

Zur Prophylaxe und Therapie der akneiformen Exantheme ist laut Dr. med. Karin Potthoff, Oberärztin der Klinik für Radioonkologie/Strahlentherapie am Universitätsklinikum Heidelberg, eine orale Antibiose mit Doxycyclin oder Minocyclin angezeigt. Einfach und sehr wirksam sei auch die Anwendung von topischem Vitamin K1 (0,1%): „Unter einer prophylaktischen Anwendung wurden bei Patienten unter einer anti-EGFR-Therapie keine akneiformen Exantheme vom Grad 3/4 beobachtet“, so die Radioonkologin. Auch die reaktive Anwendung der Creme bringe eine gute Symptomlinderung.4,5 „Weitere Prophylaxemaßnahmen sind die Anwendung von parfümfreien Feuchtigkeitscremes und rückfettenden Cremes und ein guter Sonnenschutz“. Insgesamt könne mit relativ geringem Aufwand viel für die Patienten erreicht werden. „Ein erfolgreiches Management kutaner Nebenwirkungen unter der anti-EGFR-Therapie kann die Zufriedenheit und die Lebensqualität der Patienten erhöhen und so dazu beitragen, die Compliance und damit den Therapieerfolg zu steigern“, zeigte sich Potthoff überzeugt.

Überlebensvorteile begründen den Einsatz in der palliativen Situation

In der Erstlinienbehandlung rezidivierter und/oder metastasierter Tumoren ist Cetuximab in Kombination mit einer platinbasierten Chemotherapie der Therapiestandard.1„Die Etablierung als Behandlungsstandard in der palliativen Situation beruht auf den Ergebnissen der EXTREME-Studie, in der erstmals nach 30 Jahren ein signifikanter Überlebensvorteil durch die Hinzuahme eines neuen Wirkstoffs in dieser Indikation belegt werden konnte“ (10,1 versus 7,4 Monate; p=0,04)6, berichtete Dr. med. Dennis Hahn, Oberarzt der Klinik für Hämatologie, Onkologie und Palliativmedizin im Katharinenhospital des Klinikums Stuttgart. Eine vielversprechende Aktivität in der Erstlinientherapie habe Cetuximab auch in Kombination mit Docetaxel und Cisplatin (TPEx) gezeigt: „Unter einer Therapie mit bis zu vier Behandlungszyklen dieser Kombination sowie einer anschließenden Cetuximab-Erhaltungstherapie bis zum Krankheitsprogress betrug die beste Gesamtansprechrate 54%“, fügte Hahn hinzu.7 Damit könne die TPEx-Kombination zukünftig ein mögliches Ersatzregime für Cisplatin/5-Fluorouracil/Cetuximab in der Erstlinie werden.

Späte Diagnosen zeigen: Aufklärungsbedarf in der Bevölkerung hoch

„In der Therapie von Kopf-Hals-Tumoren hat sich in den letzten Jahren einiges getan, das zur Verbesserung der Versorgung und der Prognose der Betroffenen beiträgt“, so Professor Dr. med. Oliver Kölbl, Direktor der Klinik und Poliklinik für Strahlentherapie am Universitätsklinikum Regensburg. Für den Radioonkologen ist es wichtig, dass in der Öffentlichkeit mehr Aufklärungsarbeit über die Krebserkrankung geleistet wird. „Trotz des Schweregrads von Kopf-Hals-Tumoren und der weltweit steigenden Erkrankungszahlen herrscht nur ein geringes Bewusstsein für diese Krebsart“, betonte Kölbl. Der Mangel an Aufmerksamkeit für Kopf-Hals-Tumoren sei ein Grund dafür, dass diese häufig erst in einem weit fortgeschrittenen, prognostisch ungünstigen Stadium entdeckt würden.

Quellen:

  1. Grégoire V et al.; Ann Oncol 2010; 21 (Suppl 5):v184–v186
  2. Bonner JA et al. N Engl J Med 2006; 354: 567–578
  3. Bonner JA et al. Lancet Oncol 2010; 11: 21–28
  4. Ocvirk J et al., 2010, Ann Oncol 21 (Suppl 6): vi24
  5. Pinto C et al., 2011, J Clin Oncol 29 (Suppl): Abstract #e14068
  6. Vermorken JB et al. N Engl J Med 2008; 359: 1116–1127
  7. Guigay J et al. J Clin Oncol 2012; 30 (Suppl): Abstract #5505

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