Führung

Zen-Leaders managen die Stimmung im Unternehmen

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Ein mittelständischer Unternehmer, den ich seit kurzem coache, ist in seiner Branche als ein absoluter Visionär bekannt. Er hat in seiner Firma einzigartige Management- Strukturen und -Prozesse eingeführt. Im Rahmen unseres Coachings ist mir ein Satz von ihm aufgefallen, der mich berührt hat. Er sagte: „Es ist die Aufgabe eines Zen-Leaders, die Stimmung im Unternehmen zu managen.“ Wenn ich mein eigenes Arbeitsumfeld während meiner Zeit als Mitarbeiter und im Management verschiedener Unternehmen analysiere, dann waren die Verhaltensweisen der Angestellten immer eine direkte Widerspiegelung der Stimmungen und Persönlichkeiten der Top Manager. Das Verhalten der Menschen in den Firmen reflektierte die Werte der Geschäftsleitung.

In einem Unternehmen, in dem ich mehrere Jahre im Vertrieb und in der Unternehmensberatung tätig war, galt das Motto des damaligen Deutschland-Chefs: „Beat Firma XY“. Der ganze Fokus der vielen Mitarbeiter lag nicht auf den eigenen Stärken oder auf einer zielgerichteten Kundenorientierung, sondern darin, Firma XY als Wettbewerber zu besiegen. In fast jedem Sitzungszimmer hingen riesige Plakate mit diesem Slogan. Es herrschte eine Stimmung des Konkurrenzkampfes, die soweit führte, dass sich mit der Zeit auch die eigenen Abteilungen bekämpften. Es ging um Macht, Kampf, Sieg und Niederlage – v. a. auch untereinander. Diese totale Ausrichtung auf einen Mitbewerber war Ausdruck eines Geistes des Konkurrenzkampfes, und so wurde das Unternehmen auch geführt. Der Chef installierte sogar doppelte Abteilungen, damit die Mitarbeiter sich zum Schein rivalisierten. Dies funktionierte insoweit, als dass die Stärkeren auch überlebten – survival of the fittest. Es führte aber auch zu einem Klima, in dem der Einzelne sowie Abteilungen es ablehnten, Informationen miteinander zu teilen – natürlich um den eigenen Wettbewerbsvorteil zu behalten. Mitarbeiter rechneten sich auch fälschlich Verdienste an für Arbeiten von Anderen und beschuldigten sich gegenseitig nur, um zu gewinnen. Der negative Einfluss auf die Angestellten und die Effektivität des Unternehmens schienen offensichtlich, doch es beeinflusste auch den Kundendienst aufgrund der verwirrenden doppelten Kundenzuteilung. So konnten Kundenanfragen nicht akkurat beantwortet werden, da die Kundenbetreuer von ihren Kollegen, die Informationen über diese entsprechenden Abläufe gehabt hätten, im Dunkeln gelassen wurden. Auf der anderen Seite hatte der Deutschland-Chef eine starke Persönlichkeit, unbeirrbares Selbstvertrauen und gab klare Direktiven. Trotz der Ineffizienzen und Doppelspurigkeiten fühlte man ich als Angestellter in dieser Organisation stark und selbstbewusst. Seine Werte gepaart mit seiner unerschütterlichen Persönlichkeit bildeten die „Stimmung“ im Unternehmen.

In einem anderen Unternehmen aus meiner Vergangenheit war der Vorstandsvorsitzende zwar hochintelligent und kompetent, doch sehr unglücklich. Seine Grundstimmung übertrug sich auf das Unternehmen. Er wollte eigentlich nicht da sein und wenn er zur Arbeit kam, wollte es der Rest von uns auch nicht. Die Leistungsfähigkeit und der Kundendienst litten darunter. Die Eigentümer erkannten das Problem und ersetzten den Vorstandsvorsitzenden durch eine Person, die nicht so intelligent und auch nicht so kompetent war. Aber sie war voller Enthusiasmus und Freude, und so freuten sich auch die Angestellten wieder zur Arbeit zu kommen. Die Erträge und die Service-Qualität stiegen sofort wieder. Um ein Unternehmen effektiv zu führen, sollte man sich daher seiner eigenen Einstellung und Werte bewusst sein und auch, wie sie auf die Mitarbeiter wirken. So schafft man eine „Stimmung“ innerhalb des Unternehmens. Wenn die Mitarbeiter Ihre Werte, die Sie gerne sehen würden, nicht verinnerlicht haben, dann sollten Sie Ihre eigenen Werte und wie Sie sie leben hinterfragen. Denn die Mitarbeiter folgen Ihrer Führung. Wenn das Verhalten Ihrer Mitarbeiter negativ ist, sollten Sie auch Ihre Werte hinterfragen. Bedeutet dies, dass ein Zen-Leader nicht mehr in schlechter Stimmung sein sollte im Büro? Ja, ganz genau. Wenn Sie die Stimmung, die Sie in Ihrem Unternehmen haben wollen, nicht managen können, bleiben Sie zu Hause. Oder schließen Sie mindestens Ihre Bürotüre. Während die Ziele, Mission und Vision kritisch sind für die Effektivität im Unternehmen, ist die Stimmung entscheidend, wie effizient und motiviert es sich vorwärts bewegt. Sie als Zen-Leader managen die Stimmung durch Ihre Einstellungen und Werte.

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