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Entscheidungen optimieren – durch bessere Analyse, Intuition und Empathie

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„Da hatte ich wohl die richtige Nase!“ meinte jemand, der etwas glücklich geschafft hatte. Andere hätten dasselbe tun können, hatten aber eben genau diese Intuition nicht. Wieder andere hatten vielleicht die Idee, wurden aber von „vernünftigen“ Bedenken blockiert und trauten sich nicht.

Warum hat der eine öfter Glück als der andere? Statistisch gesehen, hätten doch alle dieselben Chancen. Aber das Glück oder die Glücksgöttin soll ja launisch sein. Es gibt aber auch Erfolgsmenschen und Erfolgsfamilien, denen sogar über Generationen mehr gelingt als misslingt. Manche Menschen scheinen einen Tick besser als andere einschätzen zu können, was gerade dem Zeitgeist entspricht und welche Trends gerade entstehen und können dann erfolgreichere Entscheidungen treffen. Wie machen sie das? Was machen sie richtig? Warum treffen manche Menschen mehr richtige Entscheidungen als andere?

1. Wahrnehmung und Analyse

Gewiss ist es wichtig, Informationen zu sammeln. Wichtiger aber ist es noch, sie sinnvoll auszuwerten und aus den unformatierten formatierte Erkenntnisse zu generieren. Das versucht man in Profilings von Personen, wenn man Gebrauchsanleitungen für Menschen aufgrund ihrer Vorlieben, Gewohnheiten und ihres Verhaltens erstellt, indem man ihre Körpersprache und ihre bevorzugten Redensarten analysiert und Schlüsse daraus zieht. Das geschieht durch Abstraktion: Man schließt aus dem übermäßigen Trinkverhalten eines Menschen, dass er sich schlecht beherrschen kann, schwer Maß halten kann und innere Unstimmigkeiten damit überspielt. Man kann dann für eine solche Einschätzung verstärkende Indizien gewinnen, wenn man Analogien in anderen Lebensbereichen feststellt und den gemeinsamen Nenner verschiedener Verhaltensweisen entdeckt: Wenn dieser Trinker etwa auch in anderen Hinsichten, wie zum Beispiel beim Geldausgeben oder bei Beschimpfungen maßlos ist und sich selbst keine Grenze setzen kann, dann beginnt man auch zu verstehen, warum er beispielsweise so viele wechselnde Beziehungen hat: Erst liebt und beschenkt er maßlos, dann beschimpft und beleidigt er maßlos, und dann ist der Katzenjammer wieder maßlos.

2. Intuition

Intuition ist die Fähigkeit, aus der Summe aller gesammelten Wahrnehmungen und Informationen eine Essenz zu ziehen. Das ist, wie wenn ein Computer eine aufwändige Hochrechnung erstellt und dann kurz und knapp einen Trend mitteilt. Unser Verstand haftet meistens zu sehr an einzelnen Punkten der aktuellen Wahrnehmung. Er hat keinen wirklichen Überblick über das Ganze, insbesondere nicht über unsere unbewussten Wahrnehmungen. Diese sind umfangreicher und oft relevanter als die punktuell bewussten. Unser Unterbewusstsein ordnet und verarbeitet sie und ist daher in der Lage die Dienstleistung „Intuition“ anzubieten. Dabei werden zehntausend Puzzleteile treffend in ihrer Gesamtheit gewichtet, bewertet und zu einem Bild verarbeitet, dass man auf einen Blick wahrnehmen kann: Ein Phantasiebild, eine Idee, ein Gefühl. Das ist die Leistung der Intuition. Manchmal verbindet man dann ein grummeliges Bauchgefühl mit einer Person oder Situation. Oder man findet die „Liebe auf den ersten Blick“. Die Intuition spuckt nach Integration aller Wahrnehmungen ganz einfach ein paar Bewertungen und Gefühle aus: Passt oder passt nicht, Sympathie oder Antipathie, Vertrauen oder Misstrauen, Sehnsucht und Liebe.

Das Risiko dabei ist, dass „passt“ eben nur „passt“ heißt und nicht „tut gut“ bedeutet. Ein depressiver Mensch könnte sich, weil es eben passt, auch in einen depressiven verliebten, was ihn vermutlich auf längere Sicht auch nicht glücklicher macht.

Im negativen Fall kann die Intuition auch durch eigene negative Grundeinstellungen getrübt sein, zum Beispiel durch ein Selbstbestrafungsbedürfnis. Dann wird sie automatisch immer auf Menschen und Umstände abfahren, die geeignet sind, einem Schmerz zuzufügen. Auch das funktioniert intuitiv. Intuition ist also kein Allheilmittel sondern muss auch wieder einer Bewertung unterzogen werden

Schachweltmeister – mit also offenkundig nicht störender Intuition – berichten, dass sie bei Ihren Partien in erster Linie auf ihre intuitiven Impulse achten, und sie dann jeweils mit ihrer Rationalität überprüfen. Meistens aber nicht immer, so berichten einige von ihnen übereinstimmend, zeigt die Intuition ihnen den richtigen Weg, allerdings auch nicht garantiert immer. Sie kann sowohl falsch liegen als auch durch zu viel eigenes Wissen und Wollen verzerrt und gestört werden.

3. Empathie

Neben intuitiver Gesamtwahrnehmung, die dazu beitragen kann, sich die passenden Partner auszuwählen, gibt es noch andere empathische Möglichkeiten, andere Menschen wahrzunehmen. Nutzt man sie auch im Positiven, lässt sich die Treffsicherheit für richtige Entscheidungen weiter steigern. Empathie bedeutet, sich in die aktuellen Gefühle von anderen Personen oder Gruppen einzufühlen. Man kann Gefühle, Einstellungen, Motive und Impulse anderer Menschen erspüren.

Bei solchen zunächst unbewussten Wahrnehmungen helfen uns unsere Spiegelneuronen. Sie bilden ziemlich genau ab, was ein anderer Mensch empfindet und lassen einen „mitfühlen“, wie sich ein anderer Mensch fühlt, bzw. welche Themen oder Situationen bei ihm welche Gefühle auslösen. Wenn man bei anderen Menschen andocken und ihr Inneres „auslesen“ kann, weiß man schier alles über sie.

Auch hier gilt: Nichts ist ohne Risiken und Nebenwirkungen. So auch, wie das folgende Beispiel zeigt, bei den Spiegelneuronen: Eine Frau berichtete, dass sie plötzlich nach dem Einsteigen in ein Flugzeug Flugangst bekommen hatte. Sie sei sich aber sicher gewesen, dass sie keine Flugangst habe. Daraufhin habe sie sich umgeschaut und entdeckt, dass ihr Sitznachbar Schweißperlen auf der Stirn gehabt und mit seinen Fingern die Armelehnen seines Sitzes umklammert hätte. Er war es, der Flugangst hatte. Sie hatte sie nur empfangen und hätte sie beinahe für ihre eigene gehalten. Als hochsensible Person war sie offen dafür gewesen. Als sie sich wieder bewusst auf sich selbst zurückzog, verschwand das falsche Gefühl und damit war für sie der Fall erledigt.

Übungsmöglichkeit von intuitiv- empathischen Fähigkeiten

Empathisch-intuitive Wahrnehmungen sauber zu registrieren und ihre Richtigkeit mit dem Verstand nachzuvollziehen, ist eine Kunst, die man genauso üben kann, wie mit Bällen zu jonglieren. Auch dabei kann man nicht vorher garantieren, dass jeder Versuch klappt, aber die Häufigkeit des Gelingens ist durch Training erheblich zu steigern.

In entspanntem Zustand fällt die intuitive und empathische Wahrnehmung am leichtesten. Dann ist man offener für die zunächst unscharf aufsteigenden Gefühle, Bilder und Impulse, mit denen die Intuition zu uns spricht. Wichtig ist, nichts mit Willen zu erzwingen, sondern einfach nur entspannt zu beobachten, welche Impulse einem zu einer Situation oder Person innerlich aufsteigen. Allzu schnell verscheucht der sich überlegen fühlende Verstand sie wieder.

Um solche Impulse dann zu verstehen ist es wichtig zu wissen, dass man durchaus eins zu eins direkte Bilder von anderen Personen übertragen bekommen kann, dass das aber eher selten passiert. Häufiger sind symbolisch-metaphorische Bildübertragungen. Wenn der andere traurig ist, könnte man zum Beispiel eine Gewitterwolke vor seinem geistigen Auge sehen. Eine einfache Technik solche Bilder zu übersetzen beginnt mit einer Einstiegsformel wie: „Mit ihm ist es wie mit einem Gewitter: dunkel, geladen, vielleicht zum Ausbruch neigend.“ oder: „Mir kommen dazu folgende Bilder: …“ Jemand hatte einmal zu einem Bekannten das Phantasiebild, er werde mit seinem Auto vor einen Baum fahren und tot sein. Wenige Wochen später beging der Betreffende Selbstmord, indem er von einem Haus sprang. Die Wahrnehmung des Ereignisses war also symbolhaft richtig erfasst gewesen.

Es ist auch gut sich bewusst zu machen, dass jeder schon im Alltag viele Beispiele für Intuition erlebt hat: Man denkt etwa an jemanden und er kommt um die Ecke oder der Telefonanschluss von jemand ist besetzt, weil er gerade versucht, einen anzurufen. Wie im Beispiel mit der Flugangst kann Empathie auch dazu führen, dass man Gefühle von anderen übernimmt. Das kommt häufig in Familien vor, in denen dann mehrere Personen die gleichen Symptome einer nicht ansteckenden Krankheit oder Depression bekommen können. Bekannt ist auch das Phänomen, das viele Männer, deren Partnerin schwanger ist, mit ihr gemeinsam während der Schwangerschaft zunehmen.

Intuition und Empathie zu schulen beginnt mit dem Ausfahren der Antennen für andere Menschen oder eine Situation. Anders als bei einem Brainstorming, wo man hauptsächlich eigene kreative Impulse beisteuert, geht es hier darum, wahrzunehmen. Alle diese Fähigkeiten lassen sich allerdings kombinieren: Wenn in die Ideen des Brainstormings, die Intuitive Wahrnehmung und die empathische Gefühlswahrnehmung der beteiligten Personen nach kritischer Analyse zusammengefasst werden, hat man die besten Voraussetzungen, um guten Entscheidungen zu treffen.

Winfried Prost