Führung

Anstrengung und Energie

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Ein Zen-Meister aus dem Hoko-ji-Kloster war berühmt für seine Kalligraphien, mit denen er für eine wichtige Einnahmequelle in diesem Zen-Kloster sorgte. Kurz vor seinem 80. Geburtstag versteckten die besorgten Mönche seine Gartengeräte, mit denen er jeden Tag bei der Feldarbeit mitgeholfen hat. Sie fanden, er habe in seinem Leben so hart gearbeitet und solle seine restlichen Tage genießen. Da verschmähte der Zen-Meister das Mittag- und Abendessen. Nachdem die Mönche ihn gefragt haben, warum er denn nicht esse, antwortete er: „Ein Tag ohne Arbeit ist ein Tag ohne Essen“.

Zwei Botschaften lehrt uns diese Anekdote: Zuerst wird auf die Arbeitsmoral hingewiesen. In Zen-Klöstern wird hart gearbeitet und je länger man sich den Arbeitsaufgaben hingibt, desto mehr Gefühle von Zufriedenheit entstehen. Zweitens wird auf die körperliche Arbeit hingewiesen. Das Erstellen von Kalligraphien ist natürlich auch Arbeit, noch dazu eine, die von Zen-Meistern ganz selbstverständlich erwartet wird. Doch die tägliche körperliche Arbeit ist genauso wichtig wie die geistige Arbeit und wie die tägliche Schüssel Reis.

Sportler, Gärtner, Handwerker werden bestätigen, dass körperliche Anstrengung ein Mehrfaches der Energie erzeugen kann, die man hineingesteckt hat. Auch Zazen, die Zen-Meditation gibt Kraft; dies bedeutet aber nicht, dass sie die körperliche Anstrengung überflüssig macht. Die Zen-Geschichte sagt uns, dass wir das eine tun und das andere nicht lassen sollen. Ein Manager, der diese Regel beherzigt, dient seinen Mitarbeitern als Vorbild. Durch sein Beispiel motiviert er sie, sich wenigstens ein paar Stunden pro Woche körperlich anzustrengen. Gelingt es ihm, wird die Energie im Unternehmen spürbar besser fließen. Sony Schweiz, die ich seit ein paar Jahren bei Leadership-Fragen begleite, hat im Bereich der Persönlichkeitsentwicklung der Belegschaft ein Vier-Quadranten-Konzept für vier Jahre erarbeitet. Dabei werden jeweils für ein ganzes Jahr in den einzelnen Bereichen: „physical“, „emotional“, „social“ und „spiritual“ umfassende Trainings und Weiterbildungen angeboten, die jeder Mitarbeiter bei Sony abrufen kann. Im ersten Jahr wurde das „physical“ Programm angeboten, welches sportliche Betätigungen, Tipps und Vorträge für eine gesunde Ernährung und weiteres beinhaltete. Dabei wurde jeweils das Top Management zuerst durch dieses Angebot geschleust, um die Bedeutung dieser Maßnahmen zu verdeutlichen. Interessant ist dabei, dass nebst einer höheren Arbeitszufriedenheit im Unternehmen auch die Krankheitstage massiv zurückgegangen sind.

Wer meinen 96jährigen Zen-Meister Oii Saidan Roshi fragt, wie man mehr Energie gewinnt, wird als Antwort hören, früher aufzustehen. Wieso? Benötigen wir nicht umso mehr Schlaf, je weniger Kraft wir haben? „Nein“, wird Oii Saidan Roshi darauf antworten. Schlafen und Essen haben eines gemeinsam – zu wenig ist besser als zu viel. Wer früh aufsteht und dadurch Zeit gewinnt, um Zazen zu üben, erhält kreative Energie und Klarheit für den Tag. Wenn ein Manager zwanzig Prozent weniger isst und zwanzig Prozent weniger schläft, verfügt er über vierzig Prozent mehr Zeit und Energie.

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