Ethik

Ethik im Business – Lüge in der Werbung?

Ethik im Business
©iStock.com/LuminaStock

Die Wirtschaftsskandale der letzten Jahre lassen vielfach gängige Geschäftspraktiken in einem neuen, vielfach durch Lüge geprägtem düsteren Licht erscheinen. Was früher als Ausgekochtheit, Schlitzohrigkeit oder raffinierte Verhandlungstaktik gelobt wurde, nennt man jetzt mit anderen Namen: Pokern, Manipulieren, Lügen oder gar Betrügen.

Die Sensibilität für Ethik in der Wirtschaft ist spürbar gestiegen. Nicht wenige abgebrühte Manager fragen sich: Sind Lug und Betrug heute wirklich probate Mittel für ein erfolgreiches Business? Ist die Gier, die uns als „Profitorientierung“ so lange selbstverständlich erschien, tatsächlich ein Faktor für den nachhaltigen Unternehmenserfolg?

Ein Umdenken findet statt. Wie aber lässt sich im Unternehmen Business-Ethik implementieren, um nachhaltig erfolgreich zu sein? Die Redaktion hat dazu Gespräche mit Unternehmern geführt und stellt in der Serie „Ethik im Business“ deren Erfahrungen im ethischem Handeln und dessen Auswirkungen auf den unternehmerischen Erfolg vor.

Seit November 2006 wird gegen Spitzenmanager des Weltkonzerns Siemens wegen Untreue ermittelt, weil rund 420 Millionen Euro in schwarzen Kassen verschwunden sind, aus denen Auftraggeber bestochen worden sein sollen. Über die Affäre sind bislang etliche Führungskräfte des Unternehmens zu Fall gekommen.

Doch dieser Korruptionsfall ist nur einer unter vielen. Die Ermittlungen gegen Siemens erfolgen in der Münchner Staatsanwaltschaft I, Abteilung XII , Deutschlands größter Antikorruptionsabteilung. Sie wurde 1994 gegründet, ausgelöst durch die Schmiergeldaffäre rund um den Bau des Klärwerks München II. Viele Ermittlungsverfahren folgten mit einer langen Liste spektakulärer Fälle: Elektrokartell, Kanalbaukartell, Tunnelbaukartell, Herzklappenfall, Bestechung beim Flughafenbau, Küchenkartell…

Jährlich werden allein in München fast 700 Verfahren eingeleitet und fast ebenso viele abgeschlossen. Die in den vergangenen 12 Jahren verhängten Freiheitsstrafen summieren sich auf 865 Jahre, die ausgesprochenen Geldstrafen belaufen sich auf 6,6 Millionen Euro. Über 52 Millionen Euro Schadensersatzzahlungen veranlassten die Staatsanwälte.

Oft spielt Bestechung eine Rolle in diesen Verfahren. Ein besonders markantes ethisches Fehlverhalten im Business. Aber es begegnen uns noch weitere Unsitten: Lügen, Betrügen, Pokern und Manipulieren und nicht zuletzt: die Gier.

Betrachten wir daher unethisches Verhalten in der Wirtschaft und seine Konsequenzen, angefangen mit dem Lügen.

Lügende Mitarbeiter

Die Lüge stellt einen absoluten Vertrauensbruch innerhalb eines Unternehmens dar. Das Vertrauen in seine Mitarbeiter ist das größte Kapital einer Firma. Ein lügender Mitarbeiter vergeht sich also am Kapital der Gesellschaft. Fehler können, ja müssen passieren. Aber sie dürfen nicht verleugnet oder unterschlagen werden. Wo gehobelt wird, da fallen natürlich Späne. Wer aber die Späne immer nur unter den Teppich kehrt, stolpert eines Tages über die Beule, die sich bildet.

Ein auf Ethik basierendes Business ist immer geprägt von Vertrauen und einer offenen Kommunikation. Diese sind die Basis für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen dem Unternehmen und seinen Mitarbeitern einerseits, seinen Lieferanten andererseits und schließlich seinen Kunden.

Albert Schweitzer hat das einmal so formuliert:

Vertrauen ist für alle Unternehmen das große Betriebskapital, ohne welches kein nützliches Werk auskommen kann. Es schafft auf allen Gebieten die Bedingungen gedeihlichen Geschehens.

Lügen in der Werbung

Was macht ein Manager, wenn sein Produkt Nachteile gegenüber dem Marktführer hat? Darf er nur über die Vorteile reden oder muss er auch über die Nachteile sprechen?

Der entscheidende Faktor ist die Verfügbarkeit von Information. Ein Autoverkäufer, der im Verkaufsgespräch nicht über die Nachteile und Schwächen seines Autos spricht, ist nicht negativ zu beurteilen. Denn zahlreiche Autotests werden durchgeführt und stehen dem Kunden zur Verfügung. Demgegenüber verhält sich ein Pharmaunternehmen unethisch, wenn es auftretende Nebenwirkungen oder gar im Zusammenhang mit der Einnahme des Medikamentes stehende Todesfälle verschweigt.

Allein die für den Verbraucher bzw. Kunden allgemein verfügbare Information ist ausschlaggebend dafür, ob unethisches Handeln vorliegt.

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