Biotechnologie

Unsere Biotec-Branche blickt optimistisch in die Zukunft – doch die Politik ist gefordert, Innovationen zu fördern.

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Mit selbstbewussten Worten hatten wir zumindest für die bayerische Biotechnologie im Februar 2009 verkündet: „Wir brauchen keinen Rettungsschirm“. Zwei Jahre später zeigt sich die Biotechnologie-Branche nun in ganz Deutschland tatsächlich sehr optimistisch, wie eine aktuelle Umfrage von BIO-Deutschland und dem Branchenmagazin transkript bestätigt.

Befragt wurden die deutschen Biotechnologie-Unternehmen nach ihrer Einschätzung der zukünftigen Geschäftslage. Im Vergleich zum Vorjahr stieg der Stimmungsindex um mehr als fünf Punkte auf nun 98,0 Punkte. Diese positive Grundstimmung spiegelt sich auch in den geplanten F&E Investitionen wider, deren Index sich um rund vier Punkte auf 95,5 Punkte erhöhte. Und auch bei der Frage der Arbeitsplätze zeigen die Rückantworten viel Optimismus: der Beschäftigungsindex stieg um zwei Punkte und erreicht nun einen Wert von 95,3.

Die Branche hat sich also überraschend zügig und aus eigener Kraft erholt. Die Werte erreichen zwar noch nicht das Vor-Krisen-Niveau von 2006 (100 Punkte), doch ein „Tal der Tränen“ ist nicht einmal am Horizont zu erkennen. Im Zuge der Weltwirtschaftskrise 2008 war die Einschätzung der künftigen Geschäftslage damals auf 83,1 Punkte abgerutscht. Im Folgejahr wurde die aktuelle Geschäftslage mit 94,6 Punkten dann jedoch tatsächlich als recht zufriedenstellend bewertet. Die pessimistischen Erwartungen haben auch in Hinblick auf das zukünftige politische Klima nur eine kurze Talfahrt gemacht: Im Jahr 2008 sackte dieser Index auf 78,6 Punkte, um dann im Folgejahr wieder 92,1 Punkte zu erreichen.

Doch so richtig Vertrauen fassen mag die Branche noch nicht: Auch dieses Jahr verweilte der politische „Klima-Index“ bei zaghaften 91,2 Punkten. Bis zur vollen Punktzahl von 100 fehlt noch ein Stück, die Politik könnte und sollte also mehr tun, um unsere für den High-Tech Standort Deutschland so wichtige Branche zu unterstützen.

Peter Heinrich, Vorstandsvorsitzender von BIO Deutschland, sieht das ähnlich: „Die innovativen Unternehmen Deutschlands benötigen dringend von der Politik investitionsfreundlichere Rahmenbedingungen, damit der Standort wieder attraktiv für Kapitalgeber wird.“ Das Gros der innovativ tätigen Biotech-Unternehmen benötige weiterhin Wagniskapital im erheblichen Umfang, um ihre Forschungs- und Entwicklungsprojekte zügig vorantreiben zu können. „Ein Großteil der im vergangenen Jahr investierten Mittel stammt aus wenigen Investorenquellen und kommt nur einer sehr kleinen Zahl von Biotechnologiefirmen zugute“, so Heinrich.

Wie das Biotechnologie-Nachrichtenmagazin transkript zudem ermittelte, flossen im abgelaufenen Jahr Investitionsmittel von rund 600 Mio. Euro in deutsche Biotechnologie-Unternehmen – rund die Hälfte davon in bayerische Unternehmen. Damit wird das Investitionsvolumen des Vorjahres mehr als verdoppelt. Die Biotechnologie-Branche muss fortlaufend in ihre Forschung investieren, sie kann es sich nicht erlauben, in schwierigen Zeiten die Hände in den Schoß zu legen. So ist es von fundamentaler Bedeutung dass die F&E-Investitionen in der Prognose für 2011 mit 95,5 Punkten wieder einen soliden Stand erreicht haben. Gerade Firmen, die noch keine Produkte auf dem Markt haben, sind auf externes Kapital angewiesen. Hier müssen dem Finanzminister einmal neue Dinge einfallen, wie man innovative Unternehmen besser behandeln kann.

Neue Dinge eingefallen sind zumindest einmal dem BMBF und dem BMG, indem sie gemeinsam ein milliardenschweres Programm für die Gesundheitsforschung aufgelegt haben, und dabei unter anderem die Etablierung der so genannten Deutschen Gesundheitsforschungszentren vorantreiben. Dieser offensichtliche Schulterschluss von Frau Schavan mit Herrn Rösler ist vor allem deswegen von so großer Bedeutung, weil die Regierung sich völlig desavouieren würde, wenn sie auf der einen Seite Innovationen durch ihr Forschungsministerium mit Milliardenbeträgen fördern und durch das Gesundheitsministerien den Markteintritt dieser Innovationen verhindern würde. Jetzt würde man sich eine analoge Schulterschlussstrategie auch zwischen Forschungs- und Finanzministerium wünschen, denn auch hier gilt: Was nützen all die neuen schönen Förderprogramme des BMBF, wenn das Bundesfinanzministerium durch die konsequente Behinderung der Risikokapitalbranche, durch unsinnige und innovationsfeindliche Gesetze eine Umsetzung der erhaltenen Forschungsergebnisse in innovative und marktfähige Produkte beharrlich verhindert. Also, sehr verehrte Frau Schavan: Machen Sie doch einmal einen Termin mit Herrn Schäuble. Vielleicht hört er ja auf Sie!

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