Biotechnologie

Medizinische Biotechnologie in Deutschland auch im Krisenjahr 2009 gut behauptet

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©iStock.com/nicolas_

Das ist das Resumée einer Studie der Boston Consulting Group (BCG), die diese für den Branchenverband vfa bio erarbeitet und nun auch der Öffentlichkeit vorgestellt hat. Damit wird bestätigt, was bereits in zwei anderen deutschlandweiten Studien zur gesamten Biotechnologie (biotechnologie.de; Ernst & Young Report 2009) als Teilaspekt eruiert und festgestellt worden war.

Die „medizinische Biotechnologie“, die in dieser Untersuchung betrachtet wird, umfasst Firmen, die sich mit der medizinischen Wirkstoffentwicklung beschäftigen. Im Gegensatz zur so genannten „roten Biotechnologie“, die alle Anwendungen der Biotechnologie im Bereich der Medizin bezeichnet, betrachten die Autoren hier im engeren Sinne keine Diagnostika und keine Plattformtechnologien. Erfasst werden neben den kleinen und mittelständischen Biotechnologie- Unternehmen auch mittelständische und große Arzneimittelhersteller sowie deutsche Tochtergesellschaften internationaler Pharma- und Biotechnologie-Firmen, die bereits Umsätze generieren oder in der Wirkstoffentwicklung tätig sind.

Die BCG Studie zeigt dabei vor allem auf, dass in den letzten Jahren die so genannten Biopharmazeutika einen stabilen Anteil am gesamten deutschen Pharmamarkt bilden. So konnte der Umsatz mit Biopharmazeutika im Vergleich zum Vorjahr um 5,4 Prozent auf knapp € 4,7 Mrd. gesteigert werden. Er umfasst damit weiterhin (wie im Jahr 2008) 16 Prozent des Gesamtpharmamarktes in Deutschland. Der Gesamtpharmamarkt wuchs im gleichen Zeitraum um knapp 4 Prozent. Die Zahl der Mitarbeiter in der medizinischen Biotechnologie blieb dabei weiterhin praktisch stabil (+1 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, gut 35.000 Beschäftigte in 380 Unternehmen).

Es lohnt sich dabei durchaus, diese Statusmeldungen einmal genauer zu betrachten. So ist ein Umsatzwachstum in einem Krisenjahr natürlich immer etwas Positives, jedoch fällt auf, dass sich die Steigerungsraten bei den Biopharmazeutika insgesamt betrachtet in den letzten Jahren von zweistelligen Werten nun deutlich reduziert haben. Jedoch verteilt sich dieses Umsatzwachstum nicht gleichmäßig über alle Indikationsgebiete: Im Vergleich zu 2008 zeigte sich ein überdurchschnittliches Wachstum etwa in den Bereichen Immunologieprodukte (+26 Prozent) und Onkologieprodukte (+17 Prozent). Auch der Anteil von Biopharmazeutika am deutschen Gesamtpharmamarkt von 16 Prozent stellt nur einen Durchschnittswert dar, der sich für manche Indikation ganz anders liest: So machen biopharmazeutische Produkte in der Immunologie über zwei Drittel des Umsatzes aus (67 Prozent), in den Bereichen Stoffwechsel (etwa Diabetes) und Onkologie rund ein Drittel (32 Prozent bzw. 29 Prozent) und in der Hämatologie schon über ein Fünftel (22 Prozent).

Auch der Anteil von Biopharmazeutika an den im vergangenen Jahr neu zugelassenen Arzneimitteln ist mit rund 27 Prozent (12 von 44 neu zugelassenen Wirkstoffen) größer als der Anteil dieses Bereiches am Gesamtpharmamarkt. Dies spiegelt die Dynamik der vergangenen Jahre wider, die nur im Jahr 2008 eine Delle aufwies, als nur eine einzige Zulassung den Markt erreichte (biopharmazeutische Neuzulassungen 2006: 11; 2007: 10). Erfreulich ist dabei der Blick in die Zukunft, denn die gesamte Entwicklungspipeline lässt hoffen: 468 Biopharmazeutika befanden sich laut der Zusammenstellung der Experten von Boston Consulting 2009 in der klinischen Entwicklung. Gegenüber 2008 ist die Pipeline damit um 12 Prozent gewachsen. Die Entwicklungsschwerpunkte liegen hierbei insbesondere auf Krebspräparaten und Impfstoffen.

Schließlich sollte noch ein weiterer „Befund“ Beachtung finden: Offensichtlich übernimmt die medizinische Biotechnologie eine Vorreiterrolle bei der Entwicklung von Medikamenten für Kinder, seien es nun Wachstumshormone, Insuline, Enzymersatztherapeutika o. a.

Nun ist die erfreuliche Entwicklungsaktivität der deutschen Unternehmen, die Zulassung und der Markteintritt noch immer etwas ganz anderes als die Gewinnung von Marktanteilen und die Erzielung und Steigerung von Umsatzerlösen – und damit ist man direkt in der immer viel zu verkürzt geführten „Kosten- und Erstattungsdebatte“. An dieser Stelle sei einmal nur ein Hinweis gestattet: Deutschland ist bei der Verschreibung von neuzugelassenen Medikamenten europäisches Schlusslicht! Nur so lässt sich nämlich die Statistik des vfa interpretieren, nach der der Marktanteil von in den letzten 5 Jahren zugelassenen Medikamenten in Deutschland nur 6 Prozent beträgt, während es neue Medikamente in Ländern wie Spanien, Italien, Schweden oder Irland anscheinend leichter mit der Marktdurchdringung haben und Marktanteile von 13–17 Prozent erreicht werden können. Das sollte einem durchaus zu denken geben.

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